» Weihnachten

Autor: Christophe

Ein Hauch von Zimt im Ramschladen

Es weihnachtet sehr in BerlinSonntagabend, spät: Ich steige am Potsdamer Platz um und nehme mir ein paar Minuten, um die populäre “Winterwelt” in Augenschein zu nehmen. Was es dort zu sehen gibt, ist allerdings ziemlich ernüchternd. Zunächst einmal kann von einem “Weihnachtsmarkt” im eigentlich Sinn nicht die Rede sein; vielmehr handelt es sich um die künstliche Vergrößerung des Warenhauses “Potsdamer Arcaden” mithilfe gleichaussehender Blechbuden. Da trifft es sich natürlich gut, dass die “Arcaden” an allen Adventssonntagen ihre Türen öffnen. Kann ja sein, dass das Muttertier irgendwelche Waren oder Dienstleistungen feilbietet, welche die Buden nicht haben. Ist aber eher unwahrscheinlich: Von Rücken-Kratzbürsten über Shiva-Figuren, Honigschnaps und Blechspielzeug ist hier eh alles zu haben. Natürlich auch die traditionellen Weihnachtsmarkt-Klassiker: Leuchtkristalle, grinsende Buddhas, Räucherstäbchen und Mützen mit Anarchie-Zeichen. An Weihnachten, oder an das, was man vielleicht mal damit verbunden hat, gemahnt eine riesige, künstliche Rodelbahn, deren Energieverbrauch wohl allein schon das Abschmelzen mehrerer Eisberge bewirkt, und unzählige Lichterketten, die – wirklich – noch ins letzte Gebüsch gestopft wurden. Die strahlen so hell, dass über dem Weihnachtsmarkt eine Lichtkuppel entsteht.

Es gibt natürlich noch andere Weihnachtsmärkte in dieser Stadt. Da wäre jener traditionelle Markt vor der Gedächtniskirche mit seinem, ebenfalls traditionellen, Katastrophenbaum. Allerdings ist sein Besuch kein besonderes Vergnügen, wenn man nur am Wochenende Zeit hat; dann haben nämlich die radikalen Tierschützer auch frei und demonstrieren für die veganische Alternative. Nicht dezent und höflich, sondern, indem sie mich mit den Bildern wehrloser Tiere konfrontieren, die für meinen Genuss gelitten haben. Nicht eben weihnachtlich, fürchte ich. Sollte es mir aber gelingen, ihren Anblick zu ignorieren und ins Getümmel des Weihanchtsmarktes einzudringen, werde ich unweigerlich betrogen und ausgeraubt. Betrogen von Budenbesitzern, die verdünnten Eierpunsch (uähh…) zu schier wahnwitzigen Preisen verhökern; ausgeraubt von all den zwielichtigen Gestalten, die ernsthaft glauben, “Pickpocket” sei ein Dokumentarfilm.

Ich kann froh sein, wenn ich nach einem Weihnachtsmarktbesuch überhaupt noch nach Hause komme.

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In den Galeries Lafayette

Kategorie: Shopping
3. Dezember 2007
Autor: Christophe

Oder: Auf der Suche nach einem Glas Flageolets in Berlin.

Sonntag, Erster Advent. Eigentlich hätte ich aufräumen müssen. Glücklicherweise hatten die Galeries Lafayette geöffnet (wie überhaupt so ziemlich jedes größere Geschäft in Berlin). Ich war noch nie dort und beschloss, die Gelegenheit zu ergreifen, brauchte ich doch Flageolets.

Flageolets passend hervorragend zu den meisten Fleischgerichten.

Flageolets sind kleine, beigefarbene Bohnenkerne. Wer sie googelt, wird herausfinden, dass die Firma Bonduelle sie in Deutschland vertreibt. Gesehen habe ich sie noch nie. Ich habe Grund zur Annahme, dass man sie vor mir versteckt, denn ich kenne Menschen in Deutschland, die Falgeolets kaufen; allein ich weiß nicht, wo. Jedenfalls war ich bislang, in Mainz, immer ziemlich aus dem Häuschen, wenn’s auf dem Markt oder in irgendeinem Laden welche gab. Unglücklicherweise werden sie, die wirklich nichts weiter sind als kleine weiße Bohnenkerne, hierzulande gerne in Feinkostläden untergebracht, was ihren Preis gegenüber dem in Frankreich üblichen schätzungsweise verfünffacht.

Die Galeries Lafayette in Berlin sind ein zweigeteiltes Universum. Im Erdgeschoss und in allen darüberliegenden Stockwerken werden Parfums, Kosmetika und Mode angeboten, ferner ein bisschen Schmuck. Das ist alles ganz nett, aber nicht wirklich spektakulär; es ist das, was man in einer Hauptstadt erwartet, ein verlässlicher Touristenmagnet.
Wer dagegen ins Kellergeschoss fährt, dürfte nachempfinden können, was Mose dachte, als Jahwe ihm das gepriesene Land verhieß.

Zunächst wird man von Düften begrüßt, die aus den Kellergewölben des gigantischen Kaufhauses emporsteigen: Quiches, der ein oder andere Käse, Muscheln, frisches Brot, Fisch … Der Besucher landet mitten in einem großen, hellen, lebendigen Raum, in dem sich ein paar Theken, Bistros und Geschäfte befinden. Die einzige Schwachstelle, die elitäre Die Galeries Lafayette in Berlin.Champagner-Lounge, lassen wir rechts liegen. Hier, im Keller, werden die Galeries Lafayette ihrem Namen – und ihrem Ruf – gerecht: Zunächst sprechen viele (leider nicht alle) Verkäufer Französisch. Es gibt eine Käse-, eine Fleisch-, eine Patisserie- und eine Fischtheke, alle reichlich bestückt, sowie eine ansehnliche Vinothek. Letzterer mangelt es ein wenig an Apéritifs, dafür hat sie eine große Auswahl an Rum, Whisk(e)y, Cognac etc., die man in Deutschland nicht ohne weiteres findet. Daneben werden Küchenutensilien (Le Creuset) verlauft. Herzstück des Gewölbes sind die kleinen Theken, an denen ständig wechselnde Spezialitäten angeboten werden. Momentan sind die Austern (2 Stück: 1,50 €) im Angebot. Suppen, Quiches, Salate, aber auch ganze Mahlzeiten gibt es zu angemessenen Preisen. In der angrenzenden Passage ist eine gutsortierte französische Buchhandlung untergebracht; ich habe stichprobenmäßig nach einem Corto-Maltese-Band und dem “Grand Dictionnaire de la Cuisine” von Dumas gesucht, beide waren vorrätig. Bei Letzterem frage ich mich immer, wer’s eigentlich kauft. Ich habe es mir schon lange vorgenommen, aber …

Wer gerne kocht, wird seine Freude an der Auswahl der ansässigen Epicerie haben. Zwar kommen die Preise einem kleinen Praktikanten nicht eben entgegen; andererseits muss man in Geschäften, die neben Franzosen auch Frankophile bedienen, ohnehin die interessanten von den populären Produkten zu trennen wissen.

Die Flageolets habe ich übrigens gefunden. Nicht eben billig, aber eine köstliche Beilage zur Putenbrust mit Schalotten und Orangen. Die Adventszeit jedenfalls ist gerettet: Bis Weihnachten haben die Galeries jeden Sonntag geöffnet.

Die Patisserie kann begeistern …

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Autor: Christophe

Alle Jahre wieder: Der berüchtigte “Pannenbaum” wurde gestern aufgestellt.

Wenn Sie sich daran erinnern, wie die Geier aus dem Comic “Lucky Luke” immer auf ihre potenziellen Opfer starren, geifernd, hämisch, boshaft – dann können Sie sich in etwa eine Vorstellung davon machen, wie die Berliner sich jedes Jahr auf die Aufstellung des Weihnachtsbaums vor der Gedächtniskirche freuen.

Erfolgsgeschichten sehen nämlich anders aus.

2001 beispielsweise kam die Tanne aus Bayern, war aber so klein und hässlich, dass man sie nach nicht einmal einem Tag zersägte und den Elefanten zum Fraß vorwarf.

Zwei Jahre später dieselbe Tragödie: Nicht mal einen Tag steht das Bäumchen, da wird es von aufgebrachten Berlinern gelyncht. Das beschämte Städtchen Winterberg im Sauerland spendiert daraufhin ein zweites als Wiedergutmachung. An dem wiederum macht sich gleich der Kirchenfeind Andreas Roy zu schaffen und sägt die Spitze ab.

In Berlin spricht man vom “Pannenbaum“.

Gestern wurde eine Fichte aus dem oberbayrischen Bad Tölz aufgestellt. Man ist dieses Jahr auf Nummer sicher gegangen: 70 Jahre alt ist der Baum, 24 Meter hoch war er, aber die Spitze war ein bisschen kahl, darum hat man sie abgesägt, um nicht die geringste Kritik laut werden zu lassen. Jetzt misst die Fichte noch gute 22 Meter. Stolz ist man auf das Gewicht: Mit rund acht Tonnen ist der Weihnachtsbaum nämlich fast zwei Tonnen schwerer, als man erwartet hatte – das Aufstellen verzögerte sich darum, aber dafür ist es ein Baum, endlich, ein richtiger Baum!

Übrigens wird der ganze Zauber nicht aus reiner Lust an der Schadenfreude veranstaltet: Der Weihnachtsbaum am Breitscheidplatz vor der Gedächtniskirche schmückt den Weihnachtsmarkt, der vom 26.11.2007 – 1.1.2008 veranstaltet wird.

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