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Berlin lebt von seinen Regelmäßigkeiten. Alle Jahre wieder werfen bestimmte Ereignisse ihre vertrauten, ach: liebgewonnenen, Schatten voraus – eines von vielen ist der 1. Mai in Kreuzberg, ein anderes: Die Berlinale.
Letztere steht nun wieder vor der Tür: Während andernorts Fastnacht gefeiert wird, wälzen die Berliner schwermütiges, gerne auch depressiv angehauchtes Kopfkino… Ha! Dachten Sie! Dieses Jahr nicht! Denn dieses Jahr hat die Berlinale einen Gast, der an Glamour, Sex-Appeal und Charme alles in den Schatten stellt, was vorher war:
Wasiem Taha, alias “Massiv”, wurde am Montagabend in Neukölln angeschossen. Der Rapper stand gegen 22 Uhr telefonierend in der Schierker Straße und wartete auf einen Bekannten, der Zigaretten holte. Ein maskierter Unbekannter lief auf ihn zu und fuchtelte mit einer Schusswaffe vor seinem Gesicht herum. Als der Bekannte hinzukam, feuerte der Angreifer dreimal aus unmittelbarer Nähe auf “Massiv”, dann ergriff er die Flucht.
“Massiv”, 25 Jahre alt, muss um die 120 Kilo wiegen; seine Oberarme sind gewaltig und übersät mit Tätowierungen, die er auch gut in Szene setzen kann, wodurch sein Name zum Programm wird.. Es war nicht der erste Angriff auf den Rapper mit palästinensischem Hintergrund; aber es war das erste Mal, dass in Deutschland ein Rapper mit einer Schusswaffe attackiert wurde.
Der Tagesspiegel spricht von einem “Kugelhagel“. Die Plattenfirma “Massivs” erklärt, er habe “viel Blut verloren“. Der Polizeibericht erwähnt einen Streifschuss.
Die Beamten ermitteln in zwei Richtungen: “Massiv” könnte zum Opfer schwelender Rivalitäten zwischen staatenlosen Palästinensern geworden sein. Die Eltern des Rappers kamen 1980 als palästinensiche Flüchtlinge aus dem Südlibanon nach Deutschland. Es könnte sich aber auch um eine medienwirksame Selbstinszenierung handeln. Noch haben sich keine Zeugen gemeldet, die den Angriff beobachtet oder die Schüsse gehört hätten. Dass ein Schütze, der aus unmittelbarer Nähe drei Schüsse abfeuert, nur einmal trifft, erscheint fragwürdig. Den ersten Eintrag über das Attentat verzeichnet das Internetforum des Rappers übrigens um 22h35. Zu diesem Zeitpunkt befand sich “Massiv” auf dem Weg ins Krankenhaus, in das er um 22h42 eingeliefert wurde.
Im “Gangsta”-Rap pflegen ein (vermeintlich) authentisches Image und die Texte einander zu ergänzen. Gewalt ist ein wichtiger Bestandteil von “Massivs” Texten. Der Angriff – ob er nun inszeniert war, oder nicht – beweist, dass sie nicht nur Pose ist.
Die Medien wissen von “Massivs” kleinkrimineller Vergangenheit zu berichten; davon, dass das Jugendamt dem 20jährigen erklärte, er habe in der Bundesrepublik keine Perspektive mehr. Bis vor zwei Jahren lebte Wasiem Taha mit seinen Eltern und seiner großen Schwester in einer Einzimmerwohnung im pfälzischen Pirmasens; dann überredete er seine Familie, mit ihm nach Berlin zu kommen, wo er Rapper werden wollte. Eine Weile reichte er Demotapes herum, dann erlangte er einen Plattenvertrag. Nach einem Jahr wechselte er zu Sony BMG. 250.000 Euro soll “Massiv” dem Branchenriesen wert gewesen sein.
“Massivs” neues Album wird in den kommenden Wochen erscheinen. [...mehr]
Ab heute kontrollieren Wachschützer 13 Neuköllner Schulen. Am Morgen wurden sie mit Blitzlichtgewittern begrüßt. Tut permanente mediale Präsenz den Schulen eigentlich gut?
Insgesamt 20 Sicherheitsleute einer Bielefelder Firma sind bis Sommer 2008 im Einsatz. Sie sollen vor Allem eine visuelle Kontrolle gewährleisten und verhindern, dass Schulfremde die Gebäude betreten. Waffen tragen die Wachleute nicht; eigentlich dürfen sie auch niemanden durchsuchen. Gegebenenfalls, heißt es, würden Ausweiskontrollen durchgeführt.
Das Projekt ist bundesweit einmalig – und umstritten. Die Kontrolle öffentlicher Schulen durch private Sicherheitsdienste erinnert an Szenarien aus amerikanischen Großstädten, wo Jugendliche vor Schulbeginn mit Metalldetektoren gefilzt werden. Die Verantwortlichen reagieren damit auf eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Gewaltdelikten: 139 Vorfälle wurden im Schuljahr 2006/07 im Umfeld der Neuköllner Schulen registiert. Rund 27 seien “von außen” hineingetragen worden.
Die Maßnahme zeugt von Verzweiflung und Ohnmacht. Sie ist sicher nicht geeignet, das Klima auf Neuköllner Schulhöfen zu bessern. Dass die Zahl der Gewaltdelikte innerhalb der Schulen sinken wird, davon kann man wohl ausgehen – das Gewaltpotenzial aber bleibt gleich, vielleicht wächst es sogar. Wie soll man sich denn als Schüler fühlen, wenn man von Wachleuten empfangen wird und von den Blitzlichtern des Boulevardjournalismus?
Ich kann nachvollziehen, dass Gewaltdelikte an Schulen weder für Schüler, noch für Eltern oder Lehrer erträglich sind. Die einseitige Bekämpfung des Symptoms durch martialische Wachposten aber stigmatisiert alle Beteiligten gleichermaßen. Sie verschärft das soziale Klima eher noch. Angemessen wäre, einen Teil der veranschlagten Summe von 200.000 Euro in Sozialarbeit zu investieren, welche die Probleme bei der Wurzel packt, statt in einschüchternde Muskelmänner. Integration ist anders. [...mehr]
Der weltberühmte Eisbär Knut hat heute Geburtstag. Wie die Zeitungen berichten, haben sich “Journalisten und Besucher aus aller Welt” zu dem Ereignis angemeldet.
Würde mich nicht wundern, wenn Jean-Luc Godard, der am Wochenende den Europäischen Filmpreis verschmäht hat, heute am Gehege auftaucht. Vermutlich wird auch Gabriele Pauli (ehemals CSU) vorbeirauschen und die versammelten Pressevertreter auffordern, sie zu interviewen, sie hat nämlich auch zu einjährigen Eisbären eine Meinung; möglicherweise möchte sie die Eisbärigkeit im Allgemeinen auf sieben Jahre beschränken. Ob Knut-Pate und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vorbeikommt, um seinem Patenkind die Tatze zu schütteln, gilt als zweifelhaft – die Wärter würden möglicherweise den Problem- nicht mehr vom Knuddelbär unterscheiden können. Auch die Bundeskanzlerin kann sich ein Treffen mit dem beliebten Polarbären nicht leisten: Sie trifft jetzt überhaupt keine Exilanten mehr, das ist ihr zu heiß; man weiß schließlich nie, wie die Volksrepublik China reagiert.
Wer kommt denn? Nun, man rechnet mit diversen TV-Journalisten, die sich schon letztes Jahr über die Sommerpause retteten, indem sie Liveschaltungen aus dem Eisbärengehege sendeten. Im Zweifelsfall kann man den deutschen Zuschauer mit einem träge herumliegenden, überdimensionalen Frottee-Handtuch begeistern. Zoo-TV galt ja zwischendurch als der große Renner; inzwischen besinnt man sich auf die Liebesnöte alleinstehender Bauernkerls.
Übrigens hat der Berliner Zoo sich gut auf die Party vorbereitet: Der Direktor persönlich gedenkt, seinem Lieblingsklienten eine Torte mit gefrorenen Fischen zu überreichen. Anschließend sollte er das Gehege möglichst kurzfristig verlassen. Man sagt, Bären seien Raubtiere. [...mehr]
Es raschelt wieder im Blätterwald rund um Problembär K. (1).
Als Lars und Tosca einander im Sommer ’99 kennenlernten, schien es die perfekte Beziehung. Der sechsjährige Draufgänger war erst vor Kurzem vor seinem gewalttätigen Vater Michi aus München nach Berlin geflohen. Die dreizehnjährige Tosca blickte damals schon auf eine wechselhafte Karriere zurück; sie war ein paar Jahre mit einem Wanderzirkus unterwegs gewesen. Eines führte zum Andern, Tosca war bald schwanger.
Die Geschichte von Tosca und ihren Kindern wurde in den Medien fast so erschöpfend dargestellt wie die Kinderpolitik der Bundesregierung. Die Tragödie um den kleinen K. hat ein glimpfliches, nicht unbedingt glückliches Ende gefunden; Nebendarsteller waren ein toter Eisbär und ein bärtiger, mütterlicher Tierpfleger. Und der Politbär Gabriel übernahm sogar die Patenschaft für das Ding vom Pol. Man hätte meinen können, dies sei das Ende der Geschichte.
Der Vater war bloß ausgeliehen
Aber dieser Tage ist der Bär wieder in diversen Blättern aufgetaucht, als bekannt wurde: Vater Lars war bloß ausgeliehen. Die Frucht seiner Lenden gehört dem, dem die Lenden gehören. Einem etwas frauenverachtenden Ausleih-Vertrag zurfolge hat Lars’ Heimatzoo Anspruch auf alle “ungeraden” Kinder (1,3,5,7, …), der Berliner Zoo muss sich mit den “geraden” (beispielsweise Nr. 2, tot) begnügen. Summa summarum: Knut gehört dem Zoo Neumünster.
Die (derzeit) Erziehungsberechtigten des Problembären winken lässig ab; eine Entscheidung über die Zukunft von Nr. 1 werde frühestens im Sommer getroffen. Vorerst bleibt das Polarding in Berlin. Ich kann gar nicht sagen, wie egal mir das ist. [...mehr]

Das ist doch mal eine Meldung, die Schlagzeilen machen wird: Die “Bild”, Deutschlands auflagenstärkste Boulevardzeitung, zieht nach Berlin. Ostern 2008 soll es soweit sein; am 25. März soll die erste Ausgabe aus der Hauptstadt erscheinen.
Die Redaktion begründet diesen Schritt mit der “neuen Rolle Berlins“. Zwar sind, soweit ich mich erinnere, auch die letzten Parlamentarier schon 1999 in der Bundeshauptstadt angekommen – aber was solls, besser später als nie. Vielleicht wollte man ja erstmal abwarten, ob die neue alte Hauptstadt sich halten kann …
Weder ver.di, noch der Deutsche Journalisten-Verband oder Hamburgs Oberbürgermeister Ole von Beust können der Entscheidung viel Positives abgewinnen. Letzterer sollte allerdings vorsichtig argumentieren, befindet er sich doch im Wahlkampf und hat, momentan, die “Bild” auf seiner Seite.
Die Redaktion indessen verspricht, ihr Möglichstes zu tun. Dazu gehört, dass den 500 betroffenen Mitarbeitern umfassend geholfen werden soll – bei der Wohnungssuche, aber auch bei der Jobsuche des Partners und bei der Kinderbetreuung. So hat der Springer-Verlag bereits angekündigt, eine eigene Kindertagesstätte für die Journalistensprösslinge aufzumachen.
Mit “Bild”, “BamS”, “Welt” und “Welt am Sonntag” werden ab 2008 die wichtigsten meinungsbildenden Blätter des Springer-Konzerns in der Hauptstadt produziert werden. [...mehr]
6.-11. November 2006
Als Berliner geht man ja eh nur noch argwöhnisch ins Kino. Gefühlte neunzig Prozent aller Filme der Welt werden hier gedreht, und man rechnet eigentlich schon damit, sich selbst irgendwo im Hintergrund mit Einkaufstüten bepackt vorbeilaufen zu sehen, während Matt Damon die Welt rettet.
Da kann man direkt aufatmen, dass in Berlin Filme heute mal nicht gedreht, sondern gezeigt werden: Rund 550 Kurzfilme aus aller Welt. Jetzt kann sich der Berliner mal ansehen, wie die anderen sich so machen auf der Leinwand…
Denn heute startet das 23. internationale Kurzfilmfestival Berlin.
Bis Sonntag wächst die „Filmmetropole Berlin“ (wie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in seinem Grußwort bescheiden konstatiert) über sich hinaus: An den Spielstätten Babylon Berlin: Mitte, Filmtheater Hackesche Höfe, Roter Salon, Volksbühne und 103 Club werden in fünf Tagen rund 550 Kurzfilme gezeigt. Die besten werden mit den „interfilm Short Awards“ prämiert; die begehrten Auszeichnungen sind mit insgesamt 40.000 € dotiert.
Und worum geht’s? In fünf Kategorien treten die Filme an: Internationale Kurzfilme, Deutsche Kurzfilme, „Konfrontationen“, Kinder- und Dokumentarfilm. Aufgrund der enormen Zahl an Beiträgen sind die Kategorien in thematische Programmblöcke aufgeteilt. Beim Internationalen Wettbewerb beispielsweise locken „Family Affairs“, „Love and Insanities“, oder „Surrealities“.
Die Vorführungen beginnen meist nachmittags, den detaillierten Spielplan finden sie hier. Die Preise orientieren sich an den üblichen Kino-Eintrittspreisen, daneben sind Tageskarten (15 €) und Dauerkarten (45 €) erhältlich.
Das Interfilm Kurzfilmfestival gilt als eines der renommiertesten Festivals weltweit. Die bunte Vielfalt der Beiträge sowie die Heterogenität der Macher gewährleisten einen kurzweiligen, hochinteressanten Einblick in die Situation des zeitgenössischen Kurzfilms. [...mehr]
Das JazzFest Berlin, welches von den Berliner Festspielen ausgerichtete wird, findet zum bereits 43. mal findet statt.Vom 31. – 04. Oktober kann man sich im Haus der Berliner Festspiele, im A-Trane, in der Kulturbrauerei und im Quaismodo das europäische Jazz Highlight anhören und ansehen. Neben Michael Moore und Ray Anderson gibt es dieses Jahr eine kleine Besonderheit, die Eröffung von El Gusto. Die algerische Musikergruppe spielt die Chaabi-Musik oder auch den sogenannten Blues des Ostens. Diese Musik entstand im Armenviertel von Algier im 19. Jahrhundert und wird von Moslems und Juden zusammen gespielt und wird deshalb als Besonderheit angesehen.
Die Kartenpreise reichen von 12 Euro und gehen hoch bis auf 80 Euro für alle Veranstaltungen zusammen. Es spielen dieses Jahr neben anderen: Hadouk Trio, Klima Kalima, Brasileirinho Ao Vivo und Johnny la Marama.
Hier gibt es eine Liste aller Musiker für 2007 [...mehr]
Vom 19. – 21. September 2007 findet in Berlin die Musikmesse Popkomm zum bereits vierten mal statt. Wie auch die Jahre zuvor, ist die Popkomm wieder in drei große Bereiche unterteilt, Kongress, Messe und das Popkomm-Festival. Messe und Kongress ziehen eher die großen Macher des Musikgeschäfts an, wo man über Innovationen, neue Absatzmärkte und Branchenwissen fachsimpelt.
Das Festival wäre für Musikbegeisterte wohl das richtige, dennoch dürften sich viele von den Ticketpreisen abschrecken lassen. Tagestickets kosten 160,- Euro, 3-Tagestickets gibt’s im Vorverkauf ab 205,- Euro(bis zum 15.06.07) und 285,-Euro(nach 15.06.07). 350,- Euro muss man berappen wenn man per Abendkasse sein Ticket kauft. Die Preise halten sicherlich auch eine Menge unabhängige Labels davon ab, die Popkommluft zu schnuppern wobei gerade kleine Labels Trends setzen und die Musik mit neuen Stilen beflügeln. Jedoch bieten die angesagtesten Berliner Clubs zahlreiche Konzerte und Parties ganz im Sinne der Popkomm, sodass auch Musikfanatiker ihre Ohren mit Musik beschallen lassen können. [...mehr]





