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Christophe Author: 3
Verdi hat für morgen erneute Arbeitsniederlegungen angekündigt.
Laut “Tagesspiegel” soll für rund 10 Stunden gestreikt werden. Allerdings räumte die Gewerkschaft gleichzeitig ein, vorerst nur Bereiche bestreiken zu wollen, die den Fahrgast nicht unmittelbar beträfen – etwa Werkstätten.
Damit reagiert Verdi auf ein erstes Angebot von Arbeitgeberseite, welches zwar eine geringe Gehaltserhöhung für alle Beschäftigten vorsah, in Gewerkschaftskreisen aber bereits kurz nach der Veröffentlichung als “Mogelpackung” bezeichnet worden war.
Wer ein Omelette machen will, muss bekanntlich Eier zerschlagen; und das chirurgische Werkstätten-Bestreiken der Gewerkschaft wird nicht ganz ohne Beeinträchtigung des normalen Fahrgastverkehrs vonstatten gehen – soviel ist klar. Inwiefern aber Busse oder U-Bahnen im Großraum Berlin ausfallen werden – und welche Linien – ist bisher noch nicht bekannt. Vorläufig versichert die Gewerkschaft, es werden zwar nicht alle öffentlichen Verkehrsmittel fahren, aber doch die meisten.
Verdi befindet sich seit dem 17. Januar in Tarifverhandlungen. Vor knapp zwei Wochen war es erstmals zu Warnstreiks in Berlin gekommen. Mit den für morgen angesetzten Arbeitsausständen möchte die Gewerkschaft laut eigenem Bekunden ihre Verhandlungsposition unterstreichen. Waidmanns Heil.
[...mehr]Reise in die verbotene Stadt
Dialog, sinngemäß aus dem Gedächtnis aufgeschrieben nach einer fünfstündigen Fahrt nach Berlin. Die Meinungen der Sprechenden sind unverfälscht, und der kleine Junge hat sich redlich bemüht, die Rolle des Chors in der griechischen Tragödie zu übernehmen:
Ich: “Kommt ihr aus Berlin?”
Fahrerin: “Nö. Und ich hau auch so schnell wie möglich wieder ab.”
Mitfahrerin: “Ja, aber ich geh bald.”
Ich: “Wieso?”
5jähriger Sohn von Mitfahrerin: “Ich hab schon Muckis!”
Mitfahrerin: “Klappe. Sonst gibt’s heut Abend kein Fernsehen!”
Fahrerin: “Alles verboten – schmutzige Autos … Zigaretten …”
Mitfahrerin: “… keine Jobs …”
Fahrerin: “… und ständig kalt hier!”
Mitfahrerin: “Nicht mal die Hunde kacken hier umsonst!”
Ich: “Aber Sharukh Khan ist in Berlin!”
Mitfahrerin: “Oh ja … der ist gut …”
5jähriger: “Kommt der im Fernsehen?”
Fahrerin: “Manchmal…”
Ich: “In Mainz ist Rauchen inzwischen auch verboten.”
Mitfahrerin: “Und? Interessiert das da irgendjemanden?”
[...mehr]Der gemeine Berliner unterscheidet sich von anderen Deutschen, ach: von anderen Menschen durch einige Eigentümlichkeiten, die – man höre und staune – inzwischen sogar die akademische Welt neugierig machen. Weshalb eine Studentin (oder ein Student?) einen lustigen Fragebogen publiziert hat, in dem es um die Spitznamen verschiedener Berliner Bauwerke geht.
Da ich noch nicht lange in Berlin wohne, kann ich mich rühmen, kein einziges gekannt zu haben. In Mainz, wo ich herkomme, gibt’s den Dom. Wollen sich zwei Mainzer treffen, dann sagen sie:
“Um drei am Dom.”
Wären sie nicht Mainzer, sondern Berliner, dann – das folgere ich aus der Umfrage – würden sie womöglich sagen:
“Um drei vor der rosa Pralinenschachtel.”
Davon, dass die BVG sich mal wieder in Tarifverhandlungen mit Verdi befindet, haben wir ja schon berichtet. Davon, wie hoffnungslos der Fall ist, aber nicht: Verdi fordert rund acht Prozent – im Vergleich zu unserem früheren Eintrag haben sie ihre Forderungen bereits angepasst – mehr Lohn von einem Unternehmen, das mit schlappen 750 Millionen in der Kreide steht. Sollte die BVG sich bis Donnerstagabend nicht auf die Gewerkschaftsforderungen zubewegen, droht Verdi für kommenden Samstag mit Streiks im Berliner Bus-, Bahn- und U-Bahn-Verkehr.
Ich würde mir für Samstag jedenfalls nichts Besonderes vornehmen; allenfalls einen ruhigen, entspannten Nachmittag mit ein paar Filmen aus der Videothek – die ist nämlich gleich um die Ecke.
[...mehr]Ab Freitag dürfen Bußgelder erhoben werden.
Ich wohne in unmittelbarer Nähe des S-Bahn-Ringes. In den letzten zwei Monaten habe ich ein interessantes Phänomen beobachtet: Das tendenzielle Umparken. Ich möchte diesen Begriff schützen lassen; er wird in Zukunft noch häufiger gebraucht werden, und dann möchte ich Tantiemen kassieren. Worum geht’s? Ganz einfach: Seit die Umweltzone in Kraft getreten ist, parken immer mehr Autofahrer ihre fahrbahren Untersätze außerhalb des S-Bahn-Ringes statt innerhalb wie früher. Das spart ihnen unter Umständen die teure Plakette. Gar nicht so ungeschickt, könnte man meinen, wenn auch langfristig vermutlich zwecklos. Denn Umweltzonen sind wie Pilze; sie nehmen immer größere Flächen ein, erst heimlich, sodass es keiner merkt, und dann plötzlich an der Oberfläche, und alle müssen blechen. Das ist, im Übrigen, ab kommenden Freitag der Fall: Wer ohne Umweltplakette innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings erwischt wird, muss mit einer Geldbuße von 40 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Leider fehlt mir das nötige Kleingeld, um eine kongeniale Geschäftsidee umzusetzen: Ein dicker Parkplatzring, der den S-Bahn-Ring umschließt. Haha! Damit ließe sich Geld machen …
[...mehr]Berlin lebt von seinen Regelmäßigkeiten. Alle Jahre wieder werfen bestimmte Ereignisse ihre vertrauten, ach: liebgewonnenen, Schatten voraus – eines von vielen ist der 1. Mai in Kreuzberg, ein anderes: Die Berlinale.
Letztere steht nun wieder vor der Tür: Während andernorts Fastnacht gefeiert wird, wälzen die Berliner schwermütiges, gerne auch depressiv angehauchtes Kopfkino… Ha! Dachten Sie! Dieses Jahr nicht! Denn dieses Jahr hat die Berlinale einen Gast, der an Glamour, Sex-Appeal und Charme alles in den Schatten stellt, was vorher war:
Wie die Berliner Polizei meldete, wurde in einer Spandauer Wohnung eine “professionelle Cannabisplantage” entdeckt.

In der Wohnung waren zwei Aufzuchtanlagen mit rund 450 Setzlingen eingerichtet. Nachbarn alarmierten Polizei und Feuerwehr, als Wasser durch die Decke kam – das Bewässerungssystem der Anlagen war übergelaufen. Die Ermittler verschafften sich Zugang zu der im sechsten Stock gelegenen Wohnung und stießen auf die Aufzuchtanlagen. Noch während die Beamten sich umsahen, kehrten der 20jährige Mieter und ein 36jähriger Tourist aus Mittelamerika heim; im Gepäck hatten sie Instrumente zur Installation einer dritten Aufzuchtanlage. Die Pechvögel wurden an Ort und Stelle verhaftet.
Ich frage mich, wieviele Wohnungen in Berlin mit professionellen Aufzuchtanlagen ausgestattet sind … Unwillkürlich kommen mir ein paar Verse des Berliner Poeten Massiv (25) in den Sinn:
“Jeder Dritte hat ne Waage, jeder Zweite dealt im Block. / Jeder Erste konsumiert, nur jeder 10. hat nen Job.”
Der Überfall auf einen Geldtransporter am 29. Oktober des vergangenen Jahres scheint aufgeklärt: Die Polizei hat am Samstagabend in der Zermatter Straße (Reinickendorf) den dritten mutmaßlichen Täter verhaftet. Der 54jährige verurteilte Schwerverbrecher Bernd M. konnte aufgrund von Blutspuren am Tatort identifiziert werden.
Bei dem Überfall hatten drei maskierte Männer einen Geldboten erschossen. Die Kaltblütigkeit und Brutalität, mit der sie vorgingen, löste bundesweit Entsetzen aus. Die Berliner Polizei konnte die Tat relativ schnell aufgeklären: Die erste Festnahme erfolgte unmittelbar nach dem Überfall, der Verdächtige hatte bereits früher mit M. Verbrechen begangen. Die zweite Festnahme fand vier Wochen nach der Tat in Wilmersdorf statt; in der Schulter des Verhafteten steckte noch eine Kugel, die der beschossene Wachmann abgefeuert hatte.
Bernd M. gilt als gefährlich und widersetzte sich seiner Verhaftung durch ein Spezialeinsatzkommando. Angeblich wurde er noch am Wochenende einem Haftrichter vorgeführt.
[...mehr]Heute beginnen die Tarifverhandlungen von BVG und Berlin Transport mit den Arbeitgeberverbänden.
Verdi fordert rund 12% mehr Lohn, mindestens aber ein Plus von 250 Euro monatlich. „Wir gehen nicht davon aus, dass der Arbeitgeberverband ohne Weiteres unserer Forderung zustimmen wird“, erklärte Verhandlungsführer Frank Bäsler. Er vertritt in den Tarifverhandlungen rund 11.500 Angestellte. Die zweite Verhandlungsrunde soll in zwei Wochen stattfinden. Ab diesem Zeitpunkt räumt Bäsler die Möglichkeit von Warnstreiks ausdrücklich ein. Man kann wohl davon ausgehen, dass der erfolgreiche Arbeitskampf der Gewerkschaft deutscher Lokführer (GDL) auch bei anderen Arbeitnehmerverbänden den Kampfgeist geweckt hat.
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